Thomas Schipperges: "Musik und Bibel"
Sachbuch - Musik
"Die Bibel ist ein Basistext der europäischen Musikgeschichte: Sie war und ist ein 'Gebrauchsbuch' für Komponisten, Musiker und Textautoren, sie hat Künstler aller Disziplinen, Länder und Zeiten schöpferisch inspiriert, biblische Stoffe prägen die Kultur vieler Menschen. Ohne Grundkenntnisse ihrer Gedanken, Figuren und Geschichten können wir viele musikalische Werke nicht mehr verstehen." (Bärenreiter)
Bis zum Ende
des Ancien Régime ereignete sich das höchste Maß an Kunstentfaltung im Bereich der geistlichen Musik. Die Liturgie bildete gewissermaßen eine Schnittstelle zwischen Himmel und Erde – insbesondere die Hl. Messe, da in ihr der weltliche Herrscher die Legitimation seiner Macht "von oben" zu erhalten glaubte – weshalb z. B. Ludwig XIV. sein Hauptaugenmerk auf das Niveau der Chapelle royale in Versailles richtet. Bis um 1600 ist übrigens eindeutig mehr geistliche als weltliche Musik überliefert; danach erscheint das Verhältnis quantitativ ausgeglichen.
Ausgewählt wurden aus dem AT und dem NT insgesamt 111 "Figuren und Motive, Themen und Texte", die im Laufe der Musikgeschichte zum Gegenstand musikalischer Rezeption wurden, die sich ganz unterschiedlich darstellt. Jeder, der im Bereich der Klassischen Musik – und demzufolge in ihrem geistlichen Segment – "umtriebig" ist, wird mit den meisten Aspekten eine direkte Hörerfahrung verbinden. Man kann die beiden Bücher als Nachschlagewerk zur Wissensvertiefung verwenden – oder schlicht als Lesestoff, der dann zu neuen musikalischen Erfahrungen anregt; hilfreich sind Hörempfehlungen im Anhang.
Die Darstellung,
z.B. von Josua und die 'Posaunen von Jericho' mit Bezug auf Händels berühmtes Oratorium Joshuai, erfolgt jeweils auf einer Doppelseite, die grafisch – auch mit Bildern – sehr ansprechend gestaltet ist. Am Rand finden sich ergänzende Begriffserklärungen. Der Autor verbindet – gestützt auf seine vielfältigen Studien – in seinen Darstellungen Aspekte der Musik-, der Religions- und der Literaturwissenschaft mit solchen der Philosophie und der Kunstgeschichte. Seine Ausführungen sind extrem kenntnisreich und vielfältig – aber stets höchst anschaulich und knapp (auf den Punkt) formuliert. Hier wird präzise Wissenschaft auf geradezu beispielhafte Weise einem größeren Interessentenkreis vermittelt.
Nach den Musikalischen Meilensteinen, dem Grundwortschatz Musik und den vorliegenden Bänden wartet man mit großer Spannung auf die Fortsetzung der Basiswissen-Reihe, zu der man den Bärenreiter Verlag nur beglückwünschen kann.
Bernahrd Morbach, kulturradio
Bewertung:
Stand vom 24.02.2010