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Film, 10.03.2010

Ajami; (c) Neue Visionen

"Ajami"

Von Scandar Copti und Yaron Shani

Im Jahr 2002 lernten sich die beiden Filmemacher Scandar Copti und Yaron Shani kennen. Für Shani war diese Begegnung die Chance, ein Drehbuch, das seit Jahren in seiner Schublade lag, endlich umzusetzen. Denn die Geschichte sollte in Ajami spielen, dem arabischen Vorort von Jaffa, in dem Juden, Christen und Moslems Tür an Tür wohnen. Doch was dem Juden aus Tel Aviv fehlte, um seine Geschichte glaubhaft zu erzählen, war der Blick von innen – den hatte Scandar Copti, arabischer Christ und aufgewachsen in Ajami. Die beiden taten sich zusammen und das Ergebnis ihrer Arbeit war überaus erfolgreich: Ajami wurde mit Preisen überhäuft und ging dies Jahr ins Rennen um den Oscar als bester ausländischer Film.

Ajami erzählt vom Leben zwischen den Welten, von einer Wirklichkeit, die wir aus den Nachrichten kennen, die den meisten von uns aber wohl vollkommen fremd ist. Da ist zum einen Omar, Moslem, und Oberhaupt der Familie. Als sein Onkel in eine Schießerei mit einem beduinischen Araber verwickelt wird, steht Omars Familie zum Abschuss bereit. Dank der Hilfe von Omars Arbeitgeber, einem arabisch-christlichen Restaurantbesitzer, sind die Beduinen zum Einlenken bereit, allerdings gegen eine immense Geldsumme, die Omar auf legalem Wege niemals verdienen wird.

Auch der Palästinenser Malek arbeitet in diesem Restaurant, auch er benötigt viel Geld für seine schwerkranke Mutter. Wie Omar sieht auch er nur eine Möglichkeit: sich als Drogendealer zu verdingen. Doch aus diesem Holz sind beide Jungen nicht geschnitzt... Dies sind zwei nur Geschichten aus AJAMI, überzeugend gespielt von Laiendarstellern. Für keinen hier gibt es ein selbst bestimmtes Jetzt, sie alle sind Opfer der Historie. Die latente Bedrohung dieses als Mosaik erzählten Real-Thrillers überträgt sich auf den Zuschauer, doch geht das Mitfühlen für die Figuren in dem Ansinnen der beiden Regisseure, möglichst viel erzählen zu wollen, stellenweise unter.
Christine Deggau, kulturradio

Bewertung:

Stand vom 10.03.2010

Mehr Informationen zum Thema:

"Ajami"
Mit Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Ranin Karim, Scandar Copti
Regie: Scandar Copti und Yaron Shani
Deutschland/Israel 2009, 120 Minuten
FSK: o.A.